Oral eingenommene Antibiotika gegen Akne



 

Allgemeingültiges
Minocyclinhaltige
Doxycyclinhaltige
Erythromycinhaltige
Kombinationen

Allgemeingültiges

Gängige Namen von Antibiotikapräparaten zur Einnahme sind die folgenden:

Minocyclin  (ein Tetrazyklin)
Aknin-Mino, Aknosan, Aknereduct, Akne-Puren, durakne, Klinomycin, Lederderm, Minakne, Minoclir, Minocyklin (Heumann, ct, Stada,  ratiopharm) Minogalen, Minoplus, Minocyn, Mino-Wolff, Skid, Udima

Doxycyclin (ein Tetrazyklin) 
Doxy, Doxakne Tabs, Vibramycin
Achromycin, Imex (Tetracyklin-Hydrochlorid). 

Erythromycin (Makrolid-Antibiotika) 
Erythrocin

Kombinationen
Cotrimoxazol: Bactrim®, Cotrim® forte

WICHTIG: Orale Antibiotika können die Wirksamkeit der Pille beeinträchtigen! Der Verhütungsschutz ist NICHT mehr gewährleistet! Wer eine Schwangerschaft vermeiden will, muss unter Antibiotika zusätzlich zur Pille mit Kondom, Pessar, Spirale oder anderen nichthormonellen Mitteln verhüten!
Während einer Therapie mit Roaccutan oder anderen Isotretinoinpräparaten wie Isotretinoin ISIS, Aknenormin oder Isotret Hexal und gleichzeitiger Tetracyclineinnahme muß bei Frauen die Verhütung unbedingt anderweitig sichergesellt werden, da das Kind höchstwahrscheinlich missgebildet sein wird. Die gleichzeitige Gabe von Roaccutan und Tetracyclinen kann zu einer Erhöhung des Schädelinnendrucks führen.
 

Die Wirkung oral eingenommener Antibiotika ist gewöhnlich eine bei weitem stärkere als bei der lokalen Anwendung auf der Haut. Andererseits ist ihre Anwendung nicht unproblematisch, was Dauer, Resistenzen und Nebenwirkungen angeht.
Zu Tetracyclinen (Minocyclin, Doxycyclin, ...) wäre noch anzumerken, daß sie nicht bakterizid (keimtötend), sondern bakteriostatisch (vermehrungshemmend) wirken. Der Effekt: die ursprüngliche Population wird nicht abgetötet, resistente Bakterien können sich vermehren, und nach dem Absetzen kann wieder eine Neubesiedelung auch mit nichtresiostenten Bakterien erfolgen. Auf dem Board wird vom größten Teil der Betroffenen berichtet, dass die Akne nach Absetzen von oral eingenommenen Antibiotika kurz- bis mitelfristig wieder im gewohnten Maß auftrat. Oral genommene Antibiotika können daher nur eine Überbrückungsmaßnahmen sein. Gegen Mitesserbildung bewirken Antibiotika gar nichts, sie verhindern nur ihre Entzündung. Nichts spricht jedoch gegen eine parallele Behandlung mit einem Schälpräparat, welches auch die Mitesserbildung beeinflußt.

Ich zitiere mal den TW Dermatologie 27, Heft 3/1997:
"...in naher Zukunft werden diese Substanzen vom Markt verschwinden.[...] Die Gründe: vor allem die schnelle Entwicklung von Resistenzen allgemein und von Kreuzresistenzen zwischen Erythromycin und Clindamycin. [... Es] ist kein Antibiotikum in der Lage, eine dauerhafte Remission der Akne zu induzieren, da wesentliche pathogenetische Faktoren unbeeinflußt bleiben..." 
In dem Artikel wird von einer Stufenbehandlung mit Roaccutan erst als allerletzter Möglichkeit abgeraten, da bei schweren Fällen das Rumprobieren nichts bringt und nur den psychischen Streß und die Narbenbildung befördert. 

Trotz dieser doch recht klaren Worte wird immer wieder Antibiotika verschrieben. Über den Einzelfall läßt sich streiten und ebenso ist häufig die Reaktion "Warum soll ich das schlucken, wenn ich es ohnehin maximal ein paar Monate anwenden kann und danach alles beim Alten ist?". Dennoch kann es in bestimmten Fällen angebracht sein, orale Antibiotika gegen Akne einzunehmen.
- Bei kurzfristig auftretenden, heftigen Akneschüben kann die Gabe von Antibiotika schnell eine Verbesserung erzielen und Narbenbildung verhindern helfen.
- Akne hört bei vielen Menschen nach der Pubertät von alleine auf. Wenn die Körperumstellung weitgehend abgeschlossen ist und man noch ein halbes Jahr überbrücken möchte in der Hoffnung, danach ist ohnehin die Sache überstanden, kann man dies mit Antibiotika tun.
- Wie auch bei Roaccutan liegt die Chance drin, selbst bei keiner anhaltenden Heilung nach der Therapie die Krankheit auf einem niedrigen Level stabilisieren zu können: nachdem man mittels Antibiotika oral die großen Knoten weg hat, kann man eventuell den Level mit unproblematischeren Mitteln wie BPO, lokalen Retinoiden oder einer Kombination zwischen Schälpräparaten und lokalen Antibiotika halten.

Bei einer länger andauernden Medikation mit oralen Antibiotika steigt die Wahrscheinlichkeit, sich diverse Pilzerkrankungen zuzuziehen, von dieser Nebenwirkung wurde auch häufig auf dem Board berichtet. Ebenso wird auf Dauer die Darmflora durch eingenommene Antibiotika stark geschädigt. Nicht nur die P.Acnes - Bakterien, sondern auch andere Bakterien im Körper bilden mit der Zeit Resistenzen gegen das gegebene Antibiotika aus. Von einer Dauermedikation mit Antibiotika ist daher dringend abzuraten.

Minocyklin-Präparate:

Interessanterweise raten die "Bittere Pillen" - Autoren von Minocyclinpräparaten ab, da sie im Verdacht stehen, Leberschäden verursachen zu können. Doxycyclinhaltige Präparate seien vorzuziehen. Beide sollten nur in schweren Fällen, bei denen äußerlich angewandte Mittel nicht mehr anschlagen, angewendet werden.

Vorsicht: die Wirksamkeit der Pille ist eingeschränkt, die Verhütung nicht gewährleistet. Die Resorption von Tetracyklinen wird durch Calcium, Magnesium, Aluminium, Eisen behindert, daher sollte man vor, zur und nach der Einnahme einige Stunden keine Milchprodukte (Calcium!) oder entsprechende Nahrungsergänzer zu sich nehmen. Überempfindlichkeitsreaktionen können sein: Irreversible(!) Zahnverfärbungen. Reversible Knochenwachstumsstörungen. Hautveränderungen, erhöhte Lichtempfindlichkeit. Magen-Darm - Probleme. Ausführlicher die Rote Liste und Medicine Worldwide.


exemplarischer Beipackzettel
Eintrag in der Roten Liste
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Doxycyklin-Präparate:

Die Autoren der "Bittere Pillen" raten im Fall der Angezeigtheit einer Antibiotikaeinnahme zu Doxycyclin. Doxycyclinhaltige Präparate sind in der Schwangerschaft kontraindiziert.

Medicine Worldwide schreiben zu Doxycyklin, dass es gegenüber anderen Tetracyklinen in der Verträglichkeit überlegen sei:

"Die Vorteile des Doxycyclins gegenüber Tetracyclin sind eine verbesserte Aufnahme über den Darm, wodurch sich die Verträglichkeit erhöht und die Nebenwirkungen am Magen-Darm-Trakt gemindert werden."

Ansonsten auch hier die Hinweise zu Tetracyklinen: Vorsicht: die Wirksamkeit der Pille ist eingeschränkt, die Verhütung nicht gewährleistet. Die Resorption von Tetracyklinen wird durch Calcium, Magnesium, Aluminium, Eisen behindert, daher sollte man vor, zur und nach der Einnahme einige Stunden keine Milchprodukte (Calcium!) oder entsprechende Nahrungsergänzer zu sich nehmen. Überempfindlichkeitsreaktionen können sein: Irreversible(!) Zahnverfärbungen. Reversible Knochenwachstumsstörungen. Hautveränderungen, erhöhte Lichtempfindlichkeit. Magen-Darm - Probleme. Ausführlicher die Rote Liste und Medicine Worldwide.


Eintrag in der Roten Liste
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Erythromycin-Präparate

Anders als Doxycyclin und Minocyclin ist Erythromycin zur Einnahme nicht ausdrücklich (lt. der Roten Liste) für die Aknebehandlung gedacht, obwohl es als lokal aufgetragenes Antibiotikum sehr verbreitet ist.

Medicine Worldwide warnt bei Makroliden vor möglicherweise auftretenden Kreuzresistenzen mit Chloramphenicol und Lincodsamiden (Clindamycin, z.B.), bezeichnet Erythromycin aber als gut verträglich.
 

Eintrag in der Roten Liste
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Kombinationspräparate

Cotrimoxazol: Trimethoprim und Sulfamethoxazol

(Bactrim®, Cotrim® forte)

...Zusammenfassung eines Postings von Tomi:

Cotrimoxazol ist ein Antibiotikum, das alternativ zu den üblichen Akne-Antibiotika (Tetrazyklin, Doxyzyklin etc.) eingesetzt werden kann, und hier noch nicht erwähnt wurde, soweit ich gesehen habe. Cotrimoxazol ist eine Kombination von zwei Wirkstoffen, nämlich Trimethoprim und Sulfamethoxazol im Verhältnis 1:5.

 Vor einiger Zeit wurde mir die überwältigende Gastfreundschaft eines tropischen Landes zum Verhängnis ("You MUST try dis ! Id is delicious!"): ich aß etwas, das ich nicht hätte essen sollen, und musste nach meiner Rückkehr diverse Antibiotika schlucken. Dabei habe ich festgestellt, dass meine Akne von lästig (sub-Roa-Level) auf Null zurückging, als ich Cotrim forte einnahm, was mir sonst noch bei keinem der -zig Mittelchen (Roa ausgenommen, aber eigentlich alle lokalen und oralen Antibiotika und Schälmittel eingeschlossen) widerfahren ist, die ich bisher ausprobiert habe. OK, man kann sich bei so was auch täuschen und es gibt hier genug nervige "seitdem ich grüne statt blaue Smarties esse, sind meine Pickel weg, und deswegen müsst ihr mir das jetzt alle sofort nachmachen, und wer es nicht tut, ist blöd"-Postings, also habe ich ein bisschen herumgelesen, und siehe
da, Cotrimoxazol scheint ein anerkanntes Aknetherapeutikum zu sein:

 aus: "Acne vulgaris wird durch Sonnenbäder eher gefördert als
geheilt" ( Ärztezeitung, 03.07.1997 (Link down) oder der Artikel bei Richie):

" Zur Verfügung stehen zum Beispiel Erythromycin, Clindamycin, Tetrazyklin, Doxycyklin, Cotrimoxazol oder Trimethoprim."

aus: Prof. Dr. Wolf-Ingo Worret: "Teenager mit Akne brauchen sich nicht mehr zu verstecken"

"Die «klassischen» Antibiotika gegen die Akne sind: Tetracyclin (Achromycin®), Minocyclin (Aknin-Mino®, Aknosan®, Minocyn®), Doxycyclin (Vibramycin®), Erythromycin (Erythrocin®), gelegentlich auch Cotrimoxazol (Bactrim®)."

aus T.Kappeler, "Therapie der Akne" (pharma-kritik Jahrgang 17, Nr.13):

"Sprechen die Patienten weder auf Tetrazykline noch auf Erythromycin an, eignet sich auch Cotrimoxazol (z.B. Bactrim®, 1- bis 2mal täglich 1 Forte-Tablette). "

Vielleicht kann ja noch jemand in dem Buch von Plewig oder einer anderen Akne-Referenz nachlesen, was dort zu Cotrimoxazol steht, ich komme zur Zeit nicht dazu. Jedenfalls ist das Zeug eine anerkannte und erprobte Therapiealternative, zB bei Resistenz gegen die üblichen Akne-Antibiotika. Aber kein Wundermittel -- es hat ziemlich viele Nebenwirkungen und Gegenanzeigen, und natürlich treffen die meisten allgemeinen Argumente gegen orale
Akne-Antibiotika auch hier zu. (ZB dass keine dauerhafte Heilung erzielt wird -- bei mir dauerte die aknefreie Zeit nur ca. 6 Wochen, nach Einnahme 2x täglich eine Cotrim forte, 14 Tage lang. Aber immerhin.)

Hier noch ein kritischer, sehr ausführlicher und fachlicher Artikel über Cotrimoxazol (der allerdings nichts über Aknetherapie sagt), zB werden die Vorteile gegenüber Trimethoprim alleine bezweifelt:

E. Gysling: "Cotrimoxazol" ( pharma-kritik Jahrgang 17, Nr.21)

Auch Medline spuckt einige Studien aus, die die Wirksamkeit von Cotrimoxazol bzw. Trimethoprim bei solchen Aknefällen bestätigen, die gegen die üblichen Antibiotika resistent sind. Poste ich extra, für wer an dieser Stelle noch weiterlesen möchte (statt mir erschöpft zu glauben ;).

Ein paar Suchergebnisse aus Medline (OVID) zu (Cotrimoxazol oder Trimethoprim) und Akne.
Roh und unkommentiert.

grüße, tomi.

<1>
Unique Identifier: 20050222
Authors: Cunliffe WJ. Aldana OL. Goulden V.
Title: Oral trimethoprim: a relatively safe and successful third-line treatment for acne vulgaris [letter].
Source: British Journal of Dermatology. 141(4):757-8, 1999 Oct.

<2>
Unique Identifier: 94033810
Authors: Bottomley WW. Cunliffe WJ.
Institution: Leeds Foundation for Dermatological Research, Leeds General Infirmary, UK.
Title: Oral trimethoprim as a third-line antibiotic in the management of acne vulgaris.
Source: Dermatology. 187(3):193-6, 1993.
Abstract
Acne vulgaris usually improves with long-term oral antibiotic therapy; however, some patients fail or only partially respond to the commonly prescribed antibiotics. Only a proportion of these patients warrants treatment with isotretinoin suggesting a need for additional therapeutic options. We have therefore performed an open retrospective study of the efficacy of trimethoprim as a third-line antibiotic in the treatment of patients whose acne vulgaris failed to respond to at least 2 courses of antibiotics. A total of 56 patients were reviewed, who had all failed to respond adequately to a minimum of 2 courses of antibiotics. All patients received trimethoprim in a dosage of 300 mg twice daily for at least 4 months, unless it had been withdrawn due to side effects. Topically they were given 1% clindamycin lotion twice daily to the affected areas. The severity of the patient's acne was graded on the face, back and chest. The changes in acne grades were evaluated using non-parametric statistics (Wilcoxon matched pairs). At 4 months there were significant improvements from the grades at initiation in all three sites (p = 0.005 or less). Twenty-one patients remained on the treatment for 8 months, and a significant improvement in the changes of the acne grades remained (p = 0.02 or less). Two patients had the trimethoprim stopped due to side effects.
We can therefore recommend this regime as a third-line treatment in the management of acne.  

<3>
Unique Identifier: 86032583
Authors: Piamphongsant T.
Title: Pustular acne.
Source: International Journal of Dermatology. 24(7):441-3, 1985 Sep.
Abstract
Pustules from 92 new cases of pustular acne and gram-negative folliculitis were cultured in aerobic medium for superimposed bacterial infection. During the treatment of 1,561 new patients with papular acne with tetracycline and topical clindamycin and antibacterial soaps, an additional 10 developed pustules. The majority showed in vitro resistance to ampicillin. The effective treatment was co-trimoxazole and topical gentamicin. A new classification of acne with practical therapeutic use is needed.

<4>
Unique Identifier: 83268623
Authors: Brown JM. Poston SM.
Title: Resistance of propionibacteria to antibiotics used in the treatment of acne.
Source: Journal of Medical Microbiology. 16(3):271-80, 1983 Aug.
Abstract
Strains of propionibacteria resistant to clindamycin or clindamycin and erythromycin were isolated from four patients with acne, three of whom were receiving clindamycin. Four strains of P. acnes and one of P. granulosum with moderate levels of tetracycline resistance were isolated from 25 patients with acne being treated with tetracycline. A similar increase in tetracycline resistance was achieved by training sensitive strains in vitro.
P. acnes was sensitive to sulphonamide and trimethoprim but some strains of P. granulosum were resistant to sulphonamide. Similar reports of clindamycin and erythromycin resistance from the USA suggest resistance may be increasing in isolates from patients with acne.

<5>
Unique Identifier: 80223935
Authors: Jen I.
Title: A comparison of low dosage trimethoprim/sulfamethoxazole with oxytetracycline in acne vulgaris.
Source: Cutis. 26(1):106-8, 1980 Jul.
Abstract
It has been well documented that acne vulgaris usually responds well to long-term systemic tetracycline therapy. However, not all patients respond satisfactorily due to drug intolerance, adverse side effects such as fixed drug eruptions, moniliasis, photosensitivity, and gastric irritation. A double-blind study comparing trimethoprim/sulfamethoxazole with oxytetracycline in the management of acne vulgaris has demonstrated that trimethoprim/sulfamethoxazole is an equally effective and as safe therapeutic agent as oxytetracycline. The results of this study are shown to confirm the works of other authors.

<6>
Unique Identifier: 79003855
Authors: Nordin K. Hallander H. Fredriksson T. Rylander C.
Title: A clinical and bacteriological evaluation of the effect of sulphamethoxazole-trimethoprim in acne vulgaris, resistant to prior therapy with tetracyclines.
Source: Dermatologica. 157(4):245-53, 1978.
Abstract
42 patients with acne vulgaris, clinically resistant to prior therapy with tetracyclines, were evaluated after therapy with sulphamethoxazole-trimethoprim (400 + 80 mg) twice daily. Initially and after 6, 12 and 18 weeks of treatment in each patient the different acne lesions were counted and pus specimens from unhealed pustules were taken for bacteriological analysis. Complete remission or excellent results were obtained in 33 patients (79%) at the end of treatment despite a relative increase of Staphylococcus hominis and Propionibacterium granulosum. These species were more resistant in agar dilution test to the combination sulphamethoxazole-trimethoprim (20:1) than other isolated species.


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Stand: 06.07.2003
Autor: Richie, Tomi