Statistik



Lexikon



"Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast" ist ein gängiger Spruch, und als Sozialwissenschaftler muß ich mich natürlich dagegen verwehren :o) Das ist gar nicht wahr, der Spruch trifft schlicht nicht zu. Statistik ist ein hochverläßliches Instrument, vielleicht eines der verläßlichsten, das uns in der Wissenschaft überhaupt zur Verfügung steht, und seine Anwendung ist sehr gut erforscht.

Aber im Ernst: Man kann, wenn man statistische Daten hat und anderen nur ein geplantes Ergebnis vermitteln will, natürlich vieles hinpfuschen. Auf der anderen Seite kennen Statistiker diese Tricks, und mit jenen kommt man in entsprechenden Fachstudien üblicherweise nicht durch - auch Mediziner lassen sich nicht gern verarschen.

Daher, Statistiken sind aussagekräftig, genaugenommen sind sie aussagekräftiger als eigene Erfahrungen, die sind das üblicherweise nicht.

Als Beispiel: Bei einem sehr hohen Prozentsatz der Menschen verschwindet Akne nach der Pubertät. Nun kann vor dem Verschwinden alles mögliche passiert sein, und entsprechend hält vieles als "Erklärung" für das Verschwinden her. Die Statistik arbeitet hier üblicherweise mit Doppelblindstudien (soweit möglich), um solche zufälligen zeitlichen Übereinstimmungen nicht miteinander verbundener Geschehnisse zu eliminieren. Zusätzlich müssen gewöhnlich Wirkungszusammenhänge ableitbar oder zumindest denkbar und widerspruchsfrei zu bekanntem Wissen sein.

Hier haben wir es aber häufig mit verbreiteten statistischen Fehleinschätzungen zu tun: z.B. das zeitliche Übereinstimmen zweier Faktoren, aus welchem dann fälschlicherweise eine Ursache-Wirkungs - Beziehung abgeleitet wird. Gängiges Beispiel ist das parallele Abnehmen der Storchenpopulation und der Geburtenquote in Deutschland. Die Korrelation (das Übereinstimmen des Absinkens beider Populationen) ist deutlich, die Schlussfolgerung, dass der Storch die Kinder bringt, ist jedoch falsch. Zwei gleichverlaufende Trends müssen nicht zwangsläufig zusammenhängen.

Ähnlich und ebenso passend für gängige Aknefehleinschätzungen ist auch der hübsche Spruch, dass es keine Atombomben gab, bevor Frauen das Wahlrecht kriegten. Diese Aussage ist zweifellos richtig, eine Ursächlichkeit kann man aber nicht herstellen. Vorher-nachher ist nicht gleichbedeutend mit Ursache und Wirkung.

Damit eine Statistik aussagekräftig ist, muss sie drei Kriterien erfüllen. Sie muss
- valide, also gültig sein. Auf deutsch, sie muss das messen, was sie zu messen vorgibt.
( dazu das Bonmot, dass viele IQ - Tests nicht die Intelligenz messen, sondern die Fähigkeit von Menschen, IQ - Tests zu beantworten.)
- reliabel, also verläßlich sein, d.h. bei Wiederholung zu denselben Ergebnissen führen und zuletzt
- objektiv sein: unabhängig von der Person, die die Messung durchführt.

Alles das ist hier auf dem Forum (und in allen anderen Foren im Netz ebenso) NICHT gegeben. Die Postings hier messen nicht den Schweregrad der Akne, sondern wie schwer Leute ihre Akne einschätzen oder wie sie sie nach aussen darstellen, um entsprechend Hilfe zu bekommen. Unsere Stichproben auf dem Board wechseln mit dem Publikum, wählen sehr selektiv aus (z. B. Leidensdruck so hoch, dass man sich im Netz mit dem Problem "outet" und so wird die Stichprobe systematisch verzerrt), sie ist alles andere als objektiv, sondern eben nur eine statistisch unkontrollierte Sammlung von 1-Untersuchungseinheiten - Stichproben (böse gesagt) oder Fallstudien (positiver gedeutet :o) )

Daher sind gültige Aussagen über die Wirksamkeit von Aknetherapien an kontrollierte klinische Studien, üblicherweise Doppelblindstudien, gebunden. Was so nicht belegt wurde, bewegt sich leider auf dem Level von "Nachdem ich nachts ums Haus tanzte und mich mit grobem Weizenmehl bestäubte, wurde alles besser". Nicht, dass es nicht sein könnte, aber belegt und somit in ihrer Wirksamkeit verallgemeinerbar sind diese Methoden nicht.

 

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Aktualisiert: 02.04.2003
Autor: Richie