Kathryns Bio


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Hallo liebe Leser,

nachdem ich mir Eure Biographien durchgelesen habe, dachte ich mir, ich werde auch so etwas schreiben. Der Schwerpunkt wird bei meinen Gefühlen liegen und eher nicht beim medizinischen Aspekt.

Ich glaube es war, als ich 13 oder 14 war, als alles anfing. Doch damals war ich noch zu jung, um irgendein Problem mit meinem Aussehen zu haben. Deswegen wurde auch nicht behandelt ("Das geht schon wieder weg").

Erst mit 15-16, als ich emotional in die Pubertät kam, fingen die Probleme an. Eigentlich war ich nie ein besonders beliebtes Kind gewesen. Schon in der Grundschule wurde ich ausgelacht, weil ich gestottert habe. Jetzt mit 15, 16 potthäßlich zu werden, diente auch nicht grade meinem Wohlbefinden.

Damals hatte ich aber wenigstens eine sehr gute Freundin, die auf meiner Seite stand. Doch als ich 17 war zog sie weg und ich war seitdem alleine. Der Gang zur Schule war ein Horror. Ich haßte meine Klassenkameraden wie nichts auf der Welt. Trotzdem brachte ich ganz passable bis sehr gute Leistungen in der Schule (wodurch sie mich noch mehr haßten). Ich kapselte mich ab, verbrachte alle Pausen entweder auf dem Klosett oder mit Kopfhörern zugestöpselt.

Überhaupt war die Musik mein bester Freund geworden. Es war jedoch keine "normale" Musik wie Pop-Musik, sondern völlig andere Musik - meine Musik.
Ich lebte in meiner eigenen kleinen Welt und fing an, ein Tagebuch zu schreiben. Die Alltagskultur der Teenager stieß mich ab. Für Mode hatte ich nichts übrig und noch weniger für Disco. Und Jungs? War kein Thema. Ich tröstete mich damit, daß ich mir einredete, die wären sowieso alle oberflächlich und dumm. Ich fühlte mich allen überlegen und "reifer für mein Alter". Wenn ich jetzt darüber nachdenke, kommt mir das Grauen. Wie sehr kann man sich eigentlich belügen? Der Frust und Haß staute sich in mir auf.
Nebenbei durchlief ich die eine und andere oberflächliche Therapie mit Salben (Aknemyzin, Differin). Das getönte Aknemyzin (man mußte das weiße Gel mit einer Farbpaste mischen) war der erste Kontakt mit "Make Up". Ich war sofort süchtig danach. Ich MUSSTE alles abdecken und kam in Panik, wenn das Mittelchen ausging. Die Behandlung hatte mäßigen Erfolg. In den Spiegel zu gucken war eine Qual.

Aus dieser Zeit erinnere mich an ein bestimmtes Ereignis, das im Freibad stattfand. Die damaligen Schulkolleginnen liebten Freibäder als Aufrißgelegenheit und klapperten eines nach dem anderden in der Stadt ab.
Auch ich ging damals ins Freibad. Eines Tages traf ich eine Klassenkollegin in "meinem" Freibad. Sie war die hübscheste der ganzen Klasse: sonnengebräunte Haut, nußbraune Haare, schöne Augen und ein top Körper. Wir verbrachten den Tag zusammen im Bad, währenddessen sich ein Typ uns anschloß und uns nachlief. Er war echt total süß. Am nächsten Tag ging ich wieder ins Bad, jedoch meine Kollegin war nicht da. Und siehe da, der Typ war wieder da und lief mir hinterher. Er sprach mich an und war total nett. Wir plauderten und gingen dann wieder unsere Wege, bis wir uns wieder über den Weg schwommen. Das ging über einige Stunden so. Naja.. ich habt es erraten: Er fragte mich dann, ob ich denn zufällig die Nummer von der brünetten hätte...
Seitdem bin ich nie wieder schwimmen gegangen.

Damals ging ich in Psychotherapie. "Das Problem" sprach ich zwar aus, aber die Psychologin war so versessen auf ihre Kindheitstraumata-Theorien, daß sie der Meinung war, die Akne wäre gar nicht "das Problem, sondern nur Symptom". Mit anderen Worten ich wäre ein Psychokrüppel und da "die Haut der Spiegel der Seele ist" hätte ich deswegen Akne. Ich hätte sie umbringen können. Es klang als wäre ich selbst schuld. Dieser Spiegelblödsinn treibt mir heute noch die Schweißperlen auf die Stirn. Hier wird Ursache und Wirkung vertauscht. Die Wahrheit liegt doch so nah: Die Akne ist "das Problem" und die Depression stammt daher. In allen aknefreien Zeiten war ich glücklich und einfach normal.

Als ich 17 war, erlebte ich einem Antibiotika-Hoch sowas wie meine erste Liebe. Es war in einem Urlaub am Meer. Wir hatten zwar keinen Sex (ich war zu feige und die Dauer der Beziehung zu kurz), aber diese Zeit war eine der schönsten meines Lebens.

Als ich nach dem Sommer wieder zurück in die Schule mußte, konnte ich es nicht erwarten, den anderen davon zu erzählen und ihnen Photos von M. zu zeigen. Alles was ich vorher sagte und dachte ("oberflächlich und dumm") war wie weggeblasen. *LOL* natürlich wie konnte es anders sein? Endlich, zum ersten Mal in meinem Teenagerleben "war ich jemand". Sie hatten Respekt. Auch deshalb, weil meine Urlaubsliebe aussah wie ein Schauspieler, Student war (also älter!) und ein richtiger Latin-Lover war, mit Haaren auf der Brust und so ein Zeug. Das machte mächtig Eindruck bei den Mädchen! ;-) Ich habe M. nie wiedergesehen. Aber er hat wohl mehr zu meiner Therapie beigetragen als jede Psychotante es je konnte. Außerdem habe ich seither keinen Freund mehr gehabt, der nicht aus südlichen Gefilden kam.

Mit 18 machte ich Abitur und fing dann an zu studieren. In der ganzen Aufregung um das Neue ging meine Haut unter. Es interessierte mich nicht mehr so und ich tat auch nichts therapiemäßg. Es war Ignorieren und Verdrängen angesagt.

Ein Erlebnis habe ich in Erinnerung. Vor einer Vorlesung unterhielt ich mich mit einem süßen Physikstudenten, den ich schon seit einiger Zeit sehr mochte. Es gesellte sich dann eine Mitfünfzigerin dazu, die dort zur Weiterbildung studierte. Diese Frau hatte die Frechheit mir ins Gesicht zu sagen: "Haben Sie eine schwere Krankheit?" Sie deutete auf mein Gesicht. Es war in dieser AIDS-Hysterie-Zeit, als AIDS modern und in aller Munde war. Ich sagte "Nein" und ging dann meine Wege. Mit dem Typen hatte ich dann nichts mehr zu tun.

Mit 19 fuhr ich für einige Monate nach Amerika. Mit einer Reisepartnerin, die älter war als ich. Damals war ich noch auf dem Ignorier-Es-So-Gut-Wie-Möglich Trip. Doch im Laufe der Reise (Trampen) wurde mein Problem immer störender. N. war viel älter als ich und auch sexuell erfahren (ich war Jungfrau). Sie zwang mich mit ihr mitzugehen in diverse Clubs, Discos und Bars (das ging nur mit gefälschten Ausweisen, da ich unter 21 war.) Gezwungen hat sie mich nicht, aber was hätte ich alleine denn tun sollen? Also ging ich mit. Diese Welt kannte ich vorher überhaupt nicht. Sie mußte mir auch zeigen, wie man sich richtig anzieht und wie man sich schminkt.. und da kam das Problem. Im Vergleich zu ihr war ich sooo häßlich. Dazu ihre dummen Kommentare zu meiner Haut. Es war unerträglich. Am schlimmsten war, daß sie dauernd mit Männern flirtete und ich danebenstand. Es machte mich total fertig. Noch dazu habe ich mich damals in einen verliebt, der mich natürlich nichtmal angesehen hat.

Nach dieser Zeit fing ich an, die Pille zu nehmen. Ärzte redeten mir ein, das würde helfen. Ich nahm Diane mite, dazu Antibiotika. Die Pille mußte ich ständig selbst zahlen, was ich als belastend empfand, aber nicht finanziell sondern psychisch. Ich haßte es, für ein Medikament zahlen zu müssen, das nicht als solches gilt: Es gilt deswegen nicht als solches, damit es ohne Zustimmung der Eltern an Minderjährige abgegeben werden darf! Die Kasse zahlte nicht, weil es ein Verhütungsmittel ist. Am liebsten hätte ich den Arzt angebrüllt: "Gucken Sie mich an, würden Sie mich f.... wollen???!" Ich war Jungfrau, weil ich Akne hatte, und ich mußte ein Antibabyzeug kaufen, gegen Akne. Ich haßte es.

Die Pille wirkte etwa ein Jahr recht gut. Dann kehrte sich die Wirkung um. Bis jetzt kann ich keine Pille nehmen, ohne daß die Haut schlechter wird.Ich habe eine starke Erinnerung an eine Szene im Krankenhaus. Ich war eingeliefert worden wegen irgendeiner Kleinigkeit (ich weiß es nicht mehr). Bei der Anamnese war meine Mutter dabei. Der Arzt fragte nach allen Medikamenten, die ich ständig einnehme, und andere Lebensgewohnheiten. Er fragte Dinge wie "Rauchen Sie" (nö, hab ich nie, der einzige Vorteil des Außenseitertums in der Schule) und er fragte auch: "Pille nehmen Sie schon, oder?" (Ich war fast 22). Ich sagte: "Ja, wegen der Akne." Der Arzt meinte, nachher könnte er mich auch noch auf die Derm schicken, damit wir auch dieses Problem angucken. Daraufhin dagte meine Mutter laut und lachend: "Ach was, wenn sie sich ordentlich waschen würde, geht es von selber weg!" Ich werde es nie vergessen. Sowas tut weh. Vor allem von der eigenen Mutter.

Als ich 22 war, hatte ich meinen ersten richtigen Freund. Es war in einer Zeit, in der ich therapiemäßig sehr stark auf ein bestimmtes Antibiotikum ansprach (Name weiß ich nicht, ist aber erwähnt im Forum...) Damals war ich wirklich entzündungsfrei, ging aber ohne Abdeckung (ich benutzte Aknichthol, das sehr stark deckt und sonst wirkungslos ist) nicht aus dem Haus. Ich hatte S. im Internet kennengelernt und war spontan 9 Stunden mit dem Zug zu ihm gefahren. Aus einem Wochenende wurden Monate. Es war die Zeit meiner ersten sexuellen Erfahrungen. Sie waren eigentlich nicht soo das wahre (was anderes kannte ich ja nicht), aber trotzdem war es ungemein wichtig für mich. Immerhin war ich 22!

Der Hammer kam dann erst, als er mich dann verlassen hat, aus diversen Gründen. Das fiel ausgerechnet in die Zeit, als die Wirkung der Medikamente nachließ. Vorher hatte er schon öfters durchklingen lassen, wieso ich denn sooo viele Pickel hätte und daß doch nicht sein muß und daß es nicht gut aussieht. Wahrscheinlich er hat mich deswegen verlassen. Zumindest war ich mir dessen sicher -- das genügte, um mich wieder in ein tiefes Loch stürzen zu lassen. Ich ging wieder zurück nachhause. Nach ein paar Monaten kam ein Paket mit einem Herzballon und einem Flugticket - aber ich kam nicht mehr. Ich hatte einfach Angst vor Zurückweisung. Ich sah furchtbar aus.

Jetzt kam die Zeit der Kosmetikerinnen, zu der mich meine Mutter überredete. Diese duftenden Lädchen waren mir eigentlich immer ein Dorn im Auge. Genutzt hat es Null und gekostet hat es mich das letzte Hemd (bis die Bankcard weg war). Ich bin der Meinung, daß man gerichtlich gegen diese Kurpfuscher vorgehen sollte. Wer kein Arzt ist und vorgibt eine Krankheit zu heilen, macht sich strafbar. Leider war mein Selbstbewußtsein damals auf Null, sodaß ich mir alles einreden ließ, von "Laser"-Behandlungen (die keine sind) bis goldene Löffel und Lymphdrainagen und solchen Schwachsinn. Ich denke daß viele dieser Behandlungen überhaupt Betrug sind und nachweislich nichts bewirken. Außerdem empfand ich es als belastend, sich dieser Schönheitsfarm-Luxus-Atmosphäre aussetzen zu müssen, obwohl man sich eigentlich eher als Patient fühlt.

Wegen Wirkungslosigkeit dieser "Therapien" bin ich dann wieder zur Hautklinik gegangen. Dort bekam ich einige wirklich wirksame Dinge verpaßt, allerdings auch nur temporär. Dort habe ich auch zum ersten Mal von Roa gehört. Aber ich wollte es nicht tun, nachdem man mir die Nebenwirkungen aufgedröselt hat. Vor allem hieß es auch, daß man Kontaktlinsen nicht tragen kann. Damals dachte ich: Ogott, dann habe ich reine Haut und dafür eine Brille! Kam nicht in Frage. Heute denke ich, daß das mein großer Fehler war. Damals gab es Null Gefahr auf Schwangerschaft und ich war noch jung. Übrigens habe ich heute tatsächlich eine Brille...

Bis ich 25 war, blieb ich wieder Single. Es war eine der schlimmsten Zeiten. Durch das Alter bedingt schwand meine Hoffnung, daß es "irgendwann mal vorbeigehen würde". Außerdem hatte ich Torschlußpanik. Kein Freund mit 25! An besondere Behandlungen erinnere mich nicht. Wahrscheinlich machte ich so weiter wie vorher.

Ende 24 Anfang 25 hatte ich eine weitere Internet-Liebe gefunden. Doch wir trafen uns ein Jahr lang nicht, obwohl er quasi ums Eck wohnte. Irgendwie schaffte ich es nicht ihn zu treffen. Ich hatte wiedermal Angst zurückgewiesen zu werden.

Mit 25 lernte ich meinen jetzigen Freund kennen. Auch im Internet (andere soziale kontakte hatte ich keine). Wir trafen uns zum ersten Mal, als ich ganz furchtbar blühte. Aber ich hatte keine Wahl wegen dem Termin, denn er bestimmte das einfach und buchte den Flug. Da wir uns "nur" als Freunde im Internet kannten und er "sowieso" kommen mußte, hatte ich kein Problem. (Hinterher gab er aber zu, "Hintergedanken" gehabt zu haben ;) Also ich kam per Zug und er kam per Flieger an einen Ort auf halber Strecke (er wohnt *ziemlich* weit entfernt). Wir verbrachten eine Zeit zusammen, die ich niemals vergessen werde. Es war ein Wochenende in einem Hotel. Obwohl ich wirklich grauslich aussah, machte es ihm nichts aus. Ich habe mich zu Tode geschämt, weil beim Knutschen das Make Up abgeht. Unter die Dusche oder in die Badewanne traute ich mich gar nicht, weil ich Wasser im Gesicht nicht ausstehen kann. Der Druck war irgendwie so groß, daß ich ihm sagen mußte was los war. Außerdem war es taghell, einfach nicht "dunkel genug". Ich sagte ihm verstockt, ob ihn das stört daß das "so" aussieht. Er sagte gar nichts dazu, hat nur den Kopf geschüttelt und mich umarmt. Das Licht im Zimmer blieb an und er hat mich so geliebt. Believe it or not, aber das gibt es.

Ein paar Monate später bin ich dann endgültig zu ihm gezogen. Seitdem ich am Meer wohne und ordentlich schwitze ist meine Haut sichbar besser geworden. Es gab einen Sommer, da war es so weg, daß ich zum ersten Mal in 10 Jahren an den Strand ging. Das konnte ich kaum fassen.

Im letzten Winter ist es wieder schlechter geworden. Es war ein langer ungewöhnlicher Winter ohne Sonne und Wärme. Es liegt sicher auch daran. Wenn es schlechter wird, dann fühle ich mich automatisch schlechter und werde depressiv. Es ist eine Lüge, daß sowas Menschen mit Partner nicht betrifft. Dieses Problem habe nämlich ich mit mir selbst. Natürlich ist es einfacher, wenn man jemanden hat, der einen auch so liebt. Das Hautproblem wirkt sich auch auf die Partnerschaft negativ aus. Ich bin rasend eifersüchtig und habe Probleme zu akzeptieren, daß man mich lieben kann.Interessant war auch meine Reaktion auf die Augenallergie, wegen der ich seither keine Kontaktlinsen mehr tragen kann. Es dauerte einige Monate bis ich meine Depression wegen der Brille überwunden hatte. Alte Erinnerungen an Ausgespottetwerden kamen hoch. Und die rasende Panik häßlich zu sein und nichts dagegen tun zu können. Ich ging nicht aus dem Haus. Hatte das Gefühl, daß es jetzt sinnlos ist mir neue Kleider zu kaufen, da ich ja so häßlich sei. Inzwischen plane ich zwar immer noch eine Augen-OP in ein paar Jahren, aber ich habe die Brille akzeptiert. Die viereckigen kleinen Dinger sehen eigentlich gut aus!

Im Moment nehme ich wieder Antibiotika und überlege auch Roa zu nehmen. Ohne Schminke gehe ich nicht aus dem Haus. Mit Schwimmen ist derweil nichts.

Ich heiße nicht wirklich Kathryn. Ich habe den Namen ausgewählt, weil ich die Figur von Cpt. Kathryn Janeway aus Star Trek Voyager als absolutes Traumvorbild betrachte. Diese "Romanfigur" hat alle Eigenschaften, die ich gerne mal in Fülle haben würde und an denen ich arbeite: Sicheres Auftreten, Autorität, Stärke, aber auch Weiblichkeit, Schönheit, Sex Appeal und Ausstrahlung ohne billig und aufgebrezelt zu wirken. Ich glaube nicht, daß ich jemals ein Raumschiff kommandieren werde, aber sonst kann ich alles erreichen wenn ich nur dranbleibe!

Das ist eine Scheißkrankheit. Oft habe ich gebetet, ich würde mir einen Finger abhacken lassen, wenn es dadurch nur aufhören würde. Laßt euch nicht unterkriegen von blöden Sprüchen sondern donnert zurück! Laßt euch nicht einlullen von geschäftemachenden Kosmetiktussis. Nehmt Roa, auch wenn ihr ne Brille tragen müßt ;-)

Ich wünsche euch alles Gute!
und macht nicht denselben Unsinn, mit dem Roa so lange zu warten bis ihr eine Familie gründen wollt und es dann schwer geht.

Kathryn


 

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